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Bericht Daniel Vostan (Türkei)

Daniel VostanArbeit im Büro
Die Arbeit in meinem Büro hat viel Spaß gemacht. Wir hatten ein sehr gutes Arbeitsklima und ich habe mich direkt als Teil des Büroteams gefühlt. Es gab eine sehr angenehme Atmosphäre und ich hatte die Möglichkeit in den Sitzungswochen meinem MdB oft zu begegnen. Er hat mich häufig zu Veranstaltungen mitgenommen. Auch hatte ich die Gelegenheit ihn im Plenum reden zu hören. Besonders interessant fand ich die Vorbereitung auf Reden und Podiumsdiskussionen. Hier war ich in den Vorbereitungsprozess eingebunden und durfte zu verschiedensten Themen Thesenpapiere formulieren. Da mein Abgeordneter Türkeiberichterstatter seiner Fraktion ist und ich türkischstämmig bin, konnte ich auch Informationsblätter zur gegenwärtigen politischen Situation in der Türkei für ihn vorbereiten. Besonders gefallen haben mir die vielen Ausschusssitzungen der Digitalen Agenda, wie auch die auf sie vorbereitenden Fachgespräche.

Wahlkreisreise
Die Wahlkreisreise stellt meiner Ansicht nach einen der Höhepunkte des Stipendiums dar. Es war ein hoch interessantes Erlebnis, Politik auf lokaler Ebene zu erleben und die gemachte Erfahrung mit den Eindrücken der letzten Wochen in Bezug auf die Bundespolitik zu vergleichen. Mein MdB hat einen sehr schönen Wahlkreis und sein Team hat keine Mühe gescheut, mir auch wirklich jede Besonderheit des Wahlkreises näherzubringen. Ich hatte drei sehr schöne Tage und habe eine Menge Termine begleiten können (Besuch beim Wirtschaftsrat, Besichtigung eines neu entstehenden Stadtquartiers, Besichtigung der Stadt Koblenz mit meinem MdB, Besuch einer Veranstaltung die den interreligiösen Dialog zwischen Christen und Muslimen stärken soll).
Stiftungsreise zum Kloster Banz (Hans-Seidel-Stiftung)
Diese Reise war mit der allerbeste Part des IPS. Leider waren wir nur 24 von insgesamt 116 Stipendiaten, die die Möglichkeit hatten diese Reise wahrzunehmen. Das Kloster Banz ist ein ganz besonderes Erlebnis, welches meines Erachtens nach einen Programmpunkt bilden könnte, an welchem alle Stipendiaten teilnehmen sollten. Die Region ist wunderschön, die Gastfreundlichkeit bemerkenswert. Stark fand ich vor allem, dass keine Versuche unternommen wurden, den Gästen, die eigene politische Gesinnung aufzudrängen. Wir besuchten unter anderem die Städte Coburg und Bamberg und hatten als Gruppe einen wunderbaren Aufenthalt.

Stiftungsreise zur Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin
Inhaltlich hat mir die Veranstaltung sehr gut gefallen. Es war eine intellektuell herausfordernde Veranstaltung, die wissenschaftliche Geschichtsschreibung und gegenwärtige Geschichtspolitik zum Thema hatte. Dargestellt wurden die Wechselbeziehungen zwischen diesen beiden Geschichtsschreibungspolen und es wurde aufgezeigt, wie wichtig es ist, ein hinterfragender kritischer Geist zu bleiben auch wenn man Dinge hört, die im Grunde in Harmonie zur eigenen Einstellung stehen. Das Seminar hat mir persönlich viel gebracht und auch hier gilt, dass es sehr lobenswert war, dass keine Versuche unternommen wurden, die eigene politische Gesinnung aufzudrängen. Ich finde diesen Umstand sehr beachtenswert und muss zugeben, dass ich, bevor ich diese beiden Stiftungsreisen gemacht hatte, leichte Bedenken hatte. Diese bewahrheiteten sich zu meiner vollen Zufriedenheit nicht.

Wohnkomplex
Über die Wohnqualität im Wohnkomplex war ich nur bedingt zufrieden. Zwar hatten die Wohnungen eine elementare Ausstattung, aber diese war wirklich mangelhaft. Viele Dinge fehlten und waren zum Teil sehr eng bemessen. So hatten mein Mitbewohner und ich anfänglich nur zwei Gabeln, drei Messer, keinen Mülleimer, keinen Duschvorhang, keine Schere, keine Pfanne usw. Der Hausmeister war aber sehr hilfsbereit und hat uns einen Teil der fehlenden Dinge liebenswerter Weise zur Verfügung gestellt. Den Rest der Dinge mussten wir uns dazukaufen. Salatschüssel, Pfanne, Kochlöffel etc. Das sowieso knappe Stipendiengeld ging leider hierfür drauf.
Die Nachbarschaft vor Ort (Adalbertstraße/Melchiorstraße) war einem stetigen Wandel unterzogen, bemerkbar auch an den Namensschildern an den Postfächern. Im gemeinsamen Postfach befanden sich dutzende Briefe von der SCHUFA an die vor mir wohnhaften Personen. Aufgrund der hohen Rate der in unseren Wohnblock ein- und auskehrenden Personen, begegneten wir äußerst suspekten Situationen. In näherer Umgebung wurde ein 22-jähriger Drogenabhängiger in einer Kirchenruine ermordet. Es gab sehr viele Drogendealer, was wohl ein allgemeines Problem in Berlin ist (Berlin-Mitte, Kreuzberg). Gegenüber unserer Wohnung befand sich zudem noch ein Bordell, am 26. Juni 2015 ereignete sich zudem im Bordell eine Art Explosion gefolgt von einem gleißend weißen Licht. In der Folge kamen einige Polizeiwagen und eine Ambulanz in unsere Straße. Ein weiteres großes Problem war eine hohe Anzahl von Diebstählen, die sich meist auf der Melchiorstraße abspielten. Ich selbst habe von 11 Vorfällen gehört, 10 dieser Vorfälle betrafen andere IPS-Stipendiaten. Ich finde das außerordentlich schade, da viele IPSler sowieso schon Schwierigkeiten hatten, den Haushalt in Berlin zu finanzieren , da das Stipendiengeld nicht ausreichte. Viele haben ihre Ersparnisse aus ihren Heimatländern mitgenommen, um diese fünf Monate in Berlin zu verbringen und dann wurde ihnen so gut wie alles genommen. Ich fände es besser, wenn eine Art Fonds zur Verfügung gestellt werden würde oder es eine Diebstahlsversicherung für die Stipendiaten geben würde. Zum Glück wurde ich bisher von einem derartigen Vorfall verschont, beunruhigend finde ich ihn aber dennoch.

Internet
Die Stipendiaten bekamen für die Dauer von 5 Monaten, gegen einen Preis von 100€ (zahlbar in zwei Raten), 5GB Internet pro Monat. Die Idee an sich ist richtig gut, die Umsetzung aber leidet meiner Einschätzung nach unter erheblichen Mängeln. Das sowieso knapp bemessene Stipendiengeld der ersten beiden Monate wurde monatlich um weitere 50€ gekürzt. Ich habe nichts gegen die Gebühr von 100 €, ich bin bereit diesen Preis zu zahlen, wenn ich ihn aber bezahle, möchte ich zumindest etwas mehr GB bekommen. 10 GB wären angemessen für einen Monat. Wir leben in einer Zeit in der das Internet zumindest in der entwickelten Welt mittlerweile einen Stand eines allgemeinen Gutes, wie etwa Wasser oder Sauerstoff erreicht hat. Da macht es keinen Sinn diese bedeutende Ressource zu rationieren. Es folgte leider ein Kaskadeneffekt. Nach einem halben Monat war bei den meisten IPS-Stipendiaten das zustehende Datenvolumen für das Internet aufgebraucht und wir haben begonnen einander anzurufen, was ziemlich teuer wurde, da sehr viele IPSler Smartphone-Verträge ihrer Heimatländer in Deutschland weiterbenutzten, um gerade weitere Kosten zu sparen. Am Ende gaben wir alle Unmengen an Geld für Telefonate und SMS aus, obwohl wir mit etwas mehr Internet kostenlos hätten kommunizieren können (Facebook, Whatsapp, Viper, Telegram, Skype, FaceTime). So sind große Mengen des Stipendiengeldes für Investierungen in Kommunikation geflossen, dabei ist es doch gerade Ziel dieses Programms Kommunikation zu stärken. Es wäre angebracht die hierfür notwendige Infrastruktur bereitzustellen.

Stipendiengeld
Das Geld reichte nicht wirklich aus, um den Lebenshaushalt in der Stadt zu decken. Vor allem in den Anfangsmonaten kam es zu außerplanmäßigen größeren Kosten. Aufgrund des eng getakteten Programms bestand auch nicht genügend Zeit, um einen Nebenjob wahrzunehmen.

Referat WI4
Ich bin im Großen und Ganzen zufrieden über die Betreuung der Stipendiaten seitens des Referats. Sie waren immer ansprechbar, wenn wir Fragen hatten. Natürlich gab es aber auch hin und wieder Probleme, bei deren Lösung wir gewisse Schwierigkeiten hatten. Auf die vielen Diebstähle konnte das Referat nicht wirklich reagieren, vermutlich liegt der Sachverhalt außerhalb ihres Tätigkeitsspektrums und ihrer Möglichkeiten. Ich fände es wünschenswert, wenn man sich besser mit der Polizei abgestimmt hätte, um weiteren Diebstählen vorzubeugen. Zu Anfang des Programms stand nach dem ersten Diebstahl für einen guten Monat abends an der Straßeneinfahrt ein Polizeiwagen mit sechsköpfigem Personal. Ich glaube dieser Wagen stand extra für uns dort und während dieses Monats ereigneten sich auch keine weiteren Diebstähle. Später ging der Wagen aber leider fort und die Diebe kamen wieder.
Ein weiteres großes Problem bildete leider der Palästina-Israel-Konflikt, wobei nicht der Konflikt selbst ein Problem darstellte, sondern der Umgang mit dem Problem. Zunächst wurde den Stipendiaten viel Freiraum bei der Herangehensweise zur Lösung von Problemen gewährt. Diesen Freiraum ergriff eine Menge von Stipendiaten und schaffte es in der Folge nicht, das Problem durch einen konstruktiven Dialog zu lösen. Die Gespräche endeten oft mit Streit und gegenseitigen Anschuldigungen. Die Anschuldigungen machten die jeweils andere Seite mundtot. Wir erlebten hautnah mit wie schwierig es ist einen Dialog zu führen, vor allem mit Personen, die das Gegenüber nicht als wahren Ansprechpartner ansehen, sondern die Strategie verfolgten, eine höhere Ebene (MdB’s oder gleich den Bundestag) in das Problem miteinzubeziehen. Die höhere Ebene reagierte dann natürlich und am Ende gewann die Seite der Auseinandersetzung, die über die besseren Kontakte zum Bundestag verfügte. Ich finde das persönlich sehr schade. Das Hauptproblem ist aber nicht, dass Menschen derartige Strategien verfolgen. Dies ist legitim. Das Problem war, dass sich das Referat erst aus der Sache herausgehalten hat und uns Freiraum gewährt hat und nachdem alles aus dem Ruder zu laufen drohte, hat sich das Referat darauf besinnt, dass es gestaltend auf den Dialog eingreifen müsse. Es resultierte heftiges Unverständnis auf Seiten der Stipendiaten, die auf einmal der Meinung waren, dass das Referat sich nicht einmischen dürfe. Es wäre besser gewesen, hätte das Referat von Anfang an seinen Anspruch auf Leitung aller Arten von Gesprächen betont. Dann hätten die Stipendiaten den Autoritätsanspruch des Referats, da dieser einen ursprünglichen Charakter gehabt hätte, auch akzeptiert. Ich denke, es ist besser zu Beginn regelnd einzugreifen, anstatt abzuwarten und nach entstandenem Problem sich einzuschalten und den Versuch zu unternehmen die „Sache“ zu regeln. Abgesehen von diesem ästhetischen Problem war ich mit der Betreuung seitens des Referats sehr zufrieden.

Was hat mir noch sehr gefallen?
Die Möglichkeit des Studiums an den Berliner Universitäten war eine wunderbare Gelegenheit für mich – habe die Möglichkeit genutzt und drei Vorlesungen besucht. Den Stipendiatenabend zu organisieren war mit viel Freude aber auch mit viel Stress verbunden. Am Ende ist er ganz schön geworden - will meinen - er ist uns gut gelungen. Er stellt einen besonderen Bestandteil des Programms dar.

Was hat mir gefehlt?
- Rhetorikkurse für die Stipendiaten.
- Leider habe ich kein Selfie mit Angela Merkel machen können. Viele Stipendiaten hatten aber diese Möglichkeit. Vielleicht würde es sich anbieten einen Selfietermin mit der Kanzlerin zu vereinbaren. Andere vom Bundestag geförderte Programme nehmen derartige Termine auch wahr. Ich hätte sehr gerne ein Foto mit ihr gehabt.


Daniel Vostan (Abgeordnetenbüro Dr. Andreas Nick (CDU))

Stipendiat Marcin Gorecki aus Warschau

Marcin GoreckiNach 5 Monaten…
Ich versuche die Geschehnisse der letzten Monate einzuordnen und nur ein Wort zu finden, mit dem man das alles beschreiben könnte. Einerseits habe ich viele Erfahrungen in der Politik, in praktischer und theoretischer Hinsicht, sammeln können, anderseits habe ich auch eine große Anzahl von kulturellen Veranstaltungen höchsten Niveaus besucht. Aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass ich einen großen Schritt nach vorne in meinem eigenem Leben gemacht habe. Vor allem fühle ich, dass ich diese Zeit sehr gut ausgenutzt habe. Dieses oben erwähnte Wort könnte vielleicht die Entwicklung beschleunigt haben, die dazu führte, dass ich die letzten Monate so wahrgenommen habe, wie ich es tat. Ich bin mit dem ganzen Programm sehr zufrieden und werde es weiterempfehlen. Unten möchte ich in 8 Punkten meine Erfahrungen zusammenfassen.

I. Praktikum im Büro von Herrn Dr. Andreas Nick

Ich bin dem Büro von Dr. Andreas Nick, CDU zugeteilt worden. Schon am Anfang habe ich alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kennengelernt. Die Büroleiterin Frau Felizitas Grosse hat mir eine Einführung zur Büroarbeit gegeben. In der ersten Woche haben wir zusammen mit Dr. Andreas Nick zu Mittag gegessen. Es sind mir alle Pflichten und die Arbeitszeit erklärt worden. Was mir sehr gefallen hat ist, das mir vom Büro geschenkte Vertrauen und ich so konnte diejenigen Veranstaltungen besuchen, die mich wirklich interessiert haben. Außer den Veranstaltungen musste ich auch typische Büroarbeiten leisten, wie Briefe vorbereiten oder die Presseschau erstellen. Eine große Herausforderung war es für mich, eine Einleitung zum Mini-Grundgesetz vorzubereiten, das später als Geschenk für Bürger und Bürgerinnen im Wahlkreis meines Abgeordneten veröffentlicht worden ist.

II. Teilnahme an der Arbeit vom Bundestag

Meine ersten Tage im Bundestag waren während der Sitzungswoche und deshalb waren sie sehr spannend. Umso mehr, weil ich schon am Anfang viele Mitglieder/-innen der Regierung und auch Frau Angela Merkel live sehen konnte. Nach der ersten Woche habe ich eine kleine Recherche durchgeführt. Ich habe mich mit ganzem Struktur des Bundestages näher auseinander gesetzt und habe Bereiche herausgefunden, an denen ich teilnehmen möchte. So habe ich mich entschieden, regelmäßig den Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe und den Ausschuss für Arbeit und Soziales zu besuchen. Beide Ausschüsse habe ich wegen meines Interesses im Bereich von sozialen Problemen und sozial Politik gewählt. Ansonsten versuchte ich auch Ausschüsse zu besuchen, wo Herr Dr. Andreas Nick tätig ist, in diesem Fall den Ausschuss Digitale Agenda. Ich habe die Verfahren von Renten- und Mindestlohnreform verfolgt. Ich habe den ganzen Gesetzgebungsprozess von Rentenreform beobachtet, weshalb ich mich sehr schnell mit dem deutschen politischen System näher ausgekannt habe. Die Beratungen vom Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe halte ich aufgrund ihrer Inhalte für die interessantesten. Jede Sitzungswoche habe ich vielen Reden zugehört, wie zum Beispiel während der Gedanken an die Opfer des Völkermordes in Ruanda, wo mein Abgeordnete auch eine Rede hatte. Sehr interessant waren für mich auch zwei Regierungserklärungen von Frau Angela Merkel, auch ihre Rede bezüglich der Ereignisse in der Ukraine.


III. Politische Stiftungen
Während meines Aufenthaltes hatte ich die Gelegenheit, alle politischen Stiftungen bei sogenannten Stiftungsnachmittagen kennenzulernen. Zwei von ihnen konnte ich dank der Stiftungsreisen und Stiftungswochen näher entdecken. Am Anfang habe ich vier Tage mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Mecklenburg-Vorpommern verbracht. Ich halte diese Stiftungsreise für sehr interessant. Der Schwerpunkt dieser Veranstaltung war die Energiewende. Durch die ganzen Aufenthalte habe ich einen Blick in der Problematik der Gesellschaftsentwicklung und derer Einfluss auf die Umwelt gewonnen. Es sind uns nicht nur inhaltliche Aspekte der Energiewende vorgestellt worden, sondern auch praktische Umsetzungen, wie Windkraftanlagen und die Nutzung der Solarenergie. Dabei sind wir in einem Öko-Hotel unterbracht worden, wo man auch viele ökologische Anwendung direkt sehen konnte. Außerdem hatte ich die Möglichkeit, ein paar Orte in Mecklenburg-Vorpommer zu besuchen, wie Wismar und Schwerin. Dort habe ich auch den Landtag und das Stadtrathaus besucht und habe mich viel nach Lands- und Stadtpolitik erkundigt. Dieser Ausflug war auch eine tolle Gelegenheit, die andere Stipendiaten/-innen kennenzulernen und ein Gruppengefühl zu entwickeln. Die sogenannte Stiftungswoche habe ich mit der Friedrich-Ebert-Stiftung verbracht. Das war eine gute Möglichkeit, um mehr Informationen über Sozialdemokratie in Deutschland und ihrer neuen Herausforderungen zu bekommen. Mir persönlich hat eine Veranstaltung über Migrationspolitik gefallen, bei der wir eine muslimische Gemeinde in Neukölln besucht haben. Nach allen Veranstaltungen von verschiedenen Stiftungen muss ich zugeben, dass die Rosa-Luxemburg-Stiftung in ganz interessanter Weise sowohl wichtige Themen, als auch ihre Grundlage vorgestellt hat.

IV. Konferenzen, Diskussionen und andere Veranstaltungen

Meine Arbeit im Büro wurde durch verschiedene Konferenzen und Diskussionen sehr abwechslungsreich gestaltet. Wegen der Europawahlen habe ich zwei sehr interessante Konferenzen besucht. Das Europa-Forum beim WDR war eine gute Gelegenheit, um die Meinungen von verschiedenen europäischen Politikern kennenzulernen. So habe ich die Rede von Viktor Orban, Aleksander Kwasniewski, Jose Manuel Barroso, Frank Walter Steinmeier und Angela Merkel gehört. Am nächsten Tag habe ich an einer anderen Konferenz unter dem Titel „Europa – Traum und Wirklichkeit“ teilgenommen. Diese Konferenz halte ich für die beste, vor allem wegen ihres inhaltlichen Beitrags zur Diskussion über die Zukunft Europas. Merkwürdig war hier die Zahl von verschiedenen Meinungen, auch von Schriftstellern und Gästen aus außereuropäischen Länder. An diesem Tag habe ich auch das ZDF-Fernsehstudio besucht, wo ich den Diskussionen zwischen den Spitzenkandidaten der EU-Fraktionen Martin Schulz und Jean-Claude Juncker zugeschaut habe. Weitere Konferenzen, die ich besucht habe, waren noch der Deutsch-Polnische Energiegipfel und zwei Sicherheitskonferenzen bei der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die Diskussionen in Rahmen des IPS-Forums bewerte ich positiv, vor allem wegen des Meinungsaustauschs der Stipendiaten/innen miteinander. Ich selbst habe in einem IPS-Forum einen Vortrag über die Prostitution gehalten und aktiv darüber diskutiert. Ich hatte auch Gelegenheit, an einigen Sommerfesten teilzunehmen. Besonders erwähnenswert ist das Sommerfest von Rheinland-Pfalz und der Konrad-Adenauer-Stiftung, während derer ich andere Mitglieder des Bundestages kennengelernt habe. Sehr wichtig war es für mich auch, den Bundesrat und das Bundeskanzleramt zu besuchen, was mir ein ganzheitliches Bild des politischen Lebens in Deutschland ermöglichte.

V. Wahlkreisreise

Ich habe meine Wahlkreisreise in Montabaur (Rheinland-Pfalz) vom 23.05.2014 bis 26.05.2014 gemacht. Diese vier Tage, die ich dort verbracht habe, waren sehr spannend vor allem wegen der Kommunalwahlen und Europawahlen. Schon am ersten Tag habe ich eine Mitarbeiterin kennengelernt, die im Wahlkreisbüro des Abgeordneten arbeitet. Sie hat mir ihre Pflichten und die aktuelle Wahlkampfaktionen in der Verbandsgemeinde Montabaur vorgestellt. Danach haben wir ein Treffen von CDU-Politiker mit Wähler/-innen in Diez besucht, wo ich die lokalen Kandidaten der CDU und dem Ministerpräsidenten des Landes Hessen Volker Bouffier kennengelernt habe. Am zweiten Tag habe ich zusammen mit Dr. Andreas Nick die Kaserne in Rennerod besucht, wo ich einer Militärparade zugeschaut habe und ein neues Modell vom Militärkrankenhaus kennengelernt habe. Später haben wir die Info-Stände der CDU in verschiedenen Orten der Gemeinde besucht und ein Treffen mit der Jungen Union von CDU organisiert. Herr Dr. Andreas Nick hat mir auch Koblenz gezeigt. Das war auch eine Gelegenheit, um über einige Themen zu diskutieren und auch sich besser kennenzulernen. Am Sonntag habe ich zusammen mit der Jungen Union einige Orte besucht, wo ich die lokalen bürgerlichen Projekte kennengelernt habe. Ansonsten haben wir das Wahllokal besucht, wo ich den Verlauf der Wahlen beobachten konnte. Am Abend habe ich an zwei Wahlpartys teilgenommen und zusammen mit Frau Gabi Wieland ihren Sieg in den lokalen Wahlen in Montabaur gefeiert. Am letzten Tag hatte ich noch ein bisschen Zeit, um Montabaur zu besichtigen und mich von dem Wahlkreisbüro zu verabschieden.

VI. Universität

An der Humboldt Universität habe ich regelmäßig Seminare und Vorlesung besucht. Das Seminar unter dem Titel „Das Böse“ habe ich wegen meiner Interessen im Bereich der philosophischen Analyse des Phänomens des Bösen gewählt. Dieses Seminar ist von drei Personen durchgeführt worden und war als ein aktiver Diskurs aufgebaut. Zahlreiche Meinungsaustausche haben mir ermöglicht, neue Perspektiven über Hannah Arendt, Fiodor Dostojewski oder Carl Schmitt zu erlangen. Die Vorlesung dagegen war eine Möglichkeit, den Begriff von Freiheit aus der Perspektive von Karl Marx und Georg Hegel besser zu analysieren. Zusätzlich habe ich in der Bibliothek die Materialien zu meinen Studium über die Verfolgung der Roma während des zweiten Weltkrieges und der Herero in Namibia gesammelt.

VII. Stipendiatenabend

Die Vorbereitungen zum Stipendiatenabend haben sehr früh angefangen. Ich habe die Rolle des Regisseurs in meiner Gruppe übernommen und war verantwortlich für die Vorstellung über den Mauerfall. Trotz meiner Erfahrung mit Personalverwaltung war es für mich eine besondere Herausforderung – vor allem wegen der Zahl der teilnehmenden Stipendiaten und ihrer unterschiedlichen Einstellungen zur ganzen Vorstellung. Am Anfang habe ich zwei Treffen organisiert, während derer haben wir zusammen eine Idee der Vorstellung bearbeitet. Danach haben wir in einer kleineren Gruppe ein Szenario geschrieben. Ich habe die Rollen verteilt und einen technischen Plan vorbereitet. Dank der Aufgabenverteilung konnten wir schnell die Requisiten vorbereiten. Vor der Generalprobe habe ich drei zusätzliche Proben geplant. Mit über 20 Personen war es schwer, alle Leute zu sammeln und deswegen hatte ich viele Probleme mit der Koordinierung. Sogar während der Generalprobe hatten wir als Gruppe Probleme mit dem reibungslosen Verlauf. Zum Glück war das Endergebnis perfekt und alle von uns damit zufrieden. Außerdem habe ich zusammen mit anderen Stipendiaten/-innen aus Polen unseren Landestisch vorbereitet. Hier muss ich zugeben, dass die Arbeit perfekt und kreativ abgelaufen ist. Am Anfang haben wir zwei Brainstrom-Treffen organisiert, während derer wir über die Ideen des Landestisches diskutiert haben. Wir haben uns entschieden, die polnische Kultur durch den Apfel zu bewerben. Jeder von uns hat einen Bereich von der polnischen Kultur gewählt und einen kleinen Zettel mit Informationen vorbereitet, der später an den Apfel gebunden wurde. Ansonsten haben wir Apfelchips selbstvorbereitet und Apfelmost bestellt. Was wichtig zu sagen ist: wir haben weder finanzielle noch technische Unterstützung bekommen und mussten alles selbst organisieren. Die Äpfel und Apfelwein wurden mit einem Auto aus Polen geliefert. Die Apfelchips wurden von uns dagegen zu Hause mit Obsttrockner vorbereitet und danach eingepackt. Als polnische Gruppe waren wir mit unserem Tisch sehr zufrieden, umso mehr, weil wir alles allein geschafft haben. Sicher war das auch eine gute Möglichkeit, sich einander besser kennenzulernen und eine gute Freundschaft zu gründen.

VIII. Kultur

Mein Aufenthalt in Berlin war auch reich an vielen kulturellen Ereignissen. Mein Traum vom Besuch der Berliner Philharmonie ging zweimal in Erfüllung. Ich habe Vorführungen der Werke von Gustav Mahler und Harrison Birtwistle besuchen können. Ansonsten habe ich das Berliner Ensemble besucht, wo ich eine Aufführung von Heinrich von Kleist „Der zerbrochene Krug“ geschaut habe. In Berliner Oper habe ich dagegen „La Traviata“ von Giuseppe Verdi gesehen. Außerdem habe ich die Menge von Galerien und Museen besucht. Schon am Anfang meines Aufenthaltes habe ich im Martin-Gropius-Haus eine Ausstellung von Ai Weiwei bewundert. Einen sehr großen Eindruck hat auf mich die Sammlung der Gemäldegalerie in Kulturforum gemacht. Sehr bedeutsam waren für mich auch die Sammlungen vom Museum Berggruen und vom Hamburger Bahnhof. Viel Zeit habe ich auch für mein Wissen über das deutsche Kino aufgebracht. So fahre ich nach Polen mit einer Filmsammlung von unterschiedlichen Filmen. Am meisten freue ich mich darauf, dass ich die wichtigsten Filme von Margarethe von Trotta gesehen habe. Es ist mir vor allem gelungen, den Film „Die bleierne Zeiten“ von ihr zu bekommen. Dank zahlreicher Besuche im Kino konnte ich auch die neusten deutschen Filme kennenlernen, wie z.B. „Westen“ von Christian Schwochow. Ansonsten habe ich mit manchen Stipendiaten/-innen den Filmabenden organisiert, während derer wir Filme aus unseren Ländern gezeigt haben.